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Medusa
11.07.2008, 20:47
Die Weinbergschnecke

Wie sorgsam kriecht die zarte Weinbergschnecke,
ist immer an ihr schönes Haus gebunden.
Sie steckt darin, stets rechts herum gewunden,
zum eignen Schutz und raschem Rückzugszwecke.

Ein Schuppenkleid ist ihre glänzend Decke.
Auf breitem Fuß, fast schwimmend, erdverbunden,
kreuzt sie den Weg in frühen Morgenstunden,
im Schatten einer dichten Buchenhecke.

Auf ihrem Silberpfad mit großer Ruh,
so gleitet sie, ganz lange schau ich zu.
Entdecke staunend in der Einsamkeit

den Zauber ihrer stolzen Langsamkeit.
Wo sie auch ruht ist gänzlich einerlei -
sie hat die traute Heimat stets dabei.


Alle Rechte vorbehalten
Sämtliche Texte und Illustrationen von Heliane Meyer

Klatschmohn
12.07.2008, 11:54
Liebe Medusa,
ein wunderschönes Sonett über so ein wunderschönes Geschöpf, der Weinbergschnecke hast Du da geschrieben.
Man kann sich vorstellen wie Du da in ihrer Nähe bleibst und sie beobachtest und bewunderst.
All dies kommt in Deinen Versen heraus, auch die Achtung, die Du dem Tier zollst.

Ich finde deine Zeilen sehr gut gelungen. Allerdings frage ich mich warum Du in unterschiedlichen Zeilengrößen geschrieben hast. Oder ist die Schnecke am Ende näher gekommen ?:)

Liebe Grüße
sendet Dir Klatschmohn

Medusa
12.07.2008, 12:37
Liebe Klatschmohn,

meinst Du mit "unterschiedliche Zeilengrößen" die unterschiedlichen Endungen? Dass die Quartette weiblich und die Terzette männlich enden, ist der Not bzw. meiner Unfähigkeit gehorchend. Ich habs nicht besser hingekriegt, obwohl ich seit einer Woche daran arbeite. Jetzt hatte ich "die Faxen dicke". Vielleicht hat ja noch wer ein paar gute Ideen.

Ja, diese Schnecke hats mir angetan und ich bin sehr froh, dass ich die Muße hatte, sie lange zu beobachten. Einmal habe ich gesehen, wie sie ein langes, dünnes, schwarzes "Würstchen" hinterließ! Ich habe sogar Babyschneckchen gesehen. Sie sind nicht viel größer als der Nagel des kleinen Fingers, haben schon ein Häuschen und sind fast durchsichtig! Oh weh, ich schweife ab.....

Ich danke Dir herzlich für Deinen positiven Kommentar, der freut mich sehr.

Ich schicke Dir viele liebe Grüße und wünsche ein schönes Wochenende,
Medusa.

Liebe Heidi,
mit Deiner Hilfe ist nun alles wieder in Ordnung!
Herzlichen Dank,
Medusa.

Leier
15.07.2008, 19:01
Liebe Medusa,


endlich besingt jemand so schön und gekonnt dieses herrliche Tier, dem beim Kriechen im "Wellengang" zuzuschauen eine wahre Wonne ist.
An dem Gedicht ist nichts auszusetzten. Höchstens, daß das "sie steckt darin" eventuellbesser in Klammern stünde, damit das "nach rechts herum gewunden" unmißverständlich wird und sich nicht auf "sie" bezieht.
Ich glaube, der terminus technicus ist "rechtsgewendelt", aber das kommt mit dem Reim dann überhaupt nicht hin. Ist gut so, wie es da steht!
Gefällt mir sehr, hat ein rechtes Lob verdient!

Lieben Gruß
von
cyparis

gunn
16.07.2008, 00:19
Morjen Schnecke.

Endlich wat zu bemängeln:
Zur frühen Morgenstunden.
Sieh mal zu, wie du da raus kommst.

Aber sonst , klasse.

Nacht.

Jünta.

Medusa
16.07.2008, 16:52
Meine liebe Cyparis,
ich danke Dir ganz herzlich für Dein Lob, das freut mich ungemein!
Na klar bezieht sich das "sie" auf die Schnecke! SIE ist doch gewunden! Oder verstehe ich Dich falsch? Klammern im Gedicht mag ich überhaupt nicht.
"Rechtsgewendelt" gefällt mir sehr gut! Ich habe vor dem Schreiben allerdings Bücher gewälzt und Wikipedia bemüht. Da steht "gewunden", Dein "gewendelt" ist sicher richtiger, aber ich wollte schließlich keine wissenschaftliche Abhandlung über die Weinbergschnecke schreiben, Dein Hinweis wird gespeichert!
Ich freue mich sehr über Deinen positiven Kommentar!
Viele liebe Grüße,
Medusa.

Lieber Günter,
"zu früher Morgenstunden" hatte ich auch erwogen. Das kam mir aber etwas gestelzt daher. "Zur frühen Morgenstunden" stört mich auch, besonders die -stunden, aber das haben schon viel bessere Dichter, als ich eine bin, benutzt. Hast ja Recht und ich gebs ohne Not zu. Hast Du eine bessere Idee?
Gespannte und herzliche Grüße,
Medusa.

gunn
16.07.2008, 18:54
Na, wenn de einfach in statt zur schreibst, denn biste den Frust los.
L.J.Jünta.

Tessa
16.07.2008, 19:47
Liebe Medusa

Ein Schuppenkleid ist ihre glänzend Decke.
Auf breitem Fuß, fast schwimmend, erdverbunden,
kreuzt sie den Weg zur frühen Morgenstunden,
im Schatten einer dichten, grünen Hecke.


kreuzt sie den Weg an frühen Morgenstunden,
kreuzt sie den Weg an morgendlichen Stunden,
kreuzt sie den Weg am Morgen, umunwunden
im Schatten einer dichten, grünen Hecke.

Davon abgesehen ist dir hier eine ganz zauberhafte Naturbeschreibung gelungen, der Leser spürt förmlich die Ruhe, welche von Schnecke samt haus ausgeht.

Die letzte Zeile ist einfach liebenswert und mit einem Lächeln folgte ich den Bewegungen dieses Tieres und seinem rechtsdrehenden Architektenstreich.;) Babyschnecken sind wirklich interessant.
Weniger: Schneckenpfännchen“ mit Kräuterbutter......da dreht sich mein Magen nicht nur rechtsherum, auch links und kommt gar nicht wieder in seine Position.

Gern gelesen, mein Lob an Idee und Umsetzung, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Liebe Grüße,
Tessa

Medusa
17.07.2008, 09:22
Guten Morgen Tessa,
herzlichen Dank für Deine schönen Vorschläge, einen werde ich auf jeden Fall übernehmen, sie klingen einfach besser.

Ich habe nachgelesen: Die Weinbergschnecke steht unter Naturschutz und kann acht Jahre alt werden. Die "Pfännchen-Schnecken" (schrecklich!), die in Frankreich gezüchtet werden, können sogar 20 Jahre erreichen.

Vielen lieben Dank auch für Dein dickes Lob, ich freue mich sehr darüber. Es zeigt mir, dass mir mein erster Ausflug in die Natur gelungen ist.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag und schicke Dir viele liebe Grüße,
Medusa.

Tessa
17.07.2008, 17:40
Liebe Medusa,

ein gelungener Ausflug in die Natur und mach bitte damit nicht im "Schneckentempo" weiter.;)
Freue mich schon auf Neues von dir und die Vorschläge: sehr gern.
Schön, dass dir etwas davon gefallen konnte, passt hier gut.
Noch einmal gern gelesen.

Liebe Grüße,
Tessa

Der Panther
17.07.2008, 18:04
Hi Medusa,

ein tolles Sonett ist dir da gelungen. Es ist in sich stimmig und wird durch den Schlussvers gekonnt abgerundet.

Ein paar Dinge:

Wie sorgsam kriecht die zarte Weinbergschnecke.
Ist immer an ihr schönes Haus gebunden,
sie steckt darin, nach rechts herum gewunden,
zum eignen Schutz und raschem Rückzugszwecke.

Hier wuerde ich die Punktuation aendern:
Wie sorgsam kriecht die zarte Weinbergschnecke,
ist immer an ihr schönes Haus gebunden.
Sie steckt darin, (...)
nach rechts herum gewunden
Eigtl. ist hier das "nach" zu viel. Aber im Gedicht gehts und hier stoerts mich auch nicht - im Gegenteil.

Ein Schuppenkleid ist ihre glänzend Decke.
Ist das so? Ich finde, dass das Schuppenkleid eher so klingt, als wuerde es die Schnecke schuetzen. Aber eigtl ist sie ja nackt und verwundbar. Ich meine, dass das Schuppenkleid etwas deplaziert ist.

glänzend Decke
Wenn mans laut liest, stoeren die aufeinanderfolgenden "d"s etwas. Da ueberlegt man dann was wohl besser klingt: beide "d"s betonen und eine Pause dazwischen machen (hoppla) oder lieber in einem Zug lesen? Das klaenge dann wie "glaenzen Decke". Eine Apostrophierung bei der der Schlusslaut des apostrophierten Wortes und der Anlaut des folgenden Begriffes zusammenfallen, ist nicht besonders guenstig, ums vorsichtig auszudruecken. (Ich weiss: die bloeden Formalisten :D)

kreuzt sie den Weg an frühen Morgenstunden,
IN fruehen Morgenstunden faende ich besser.

im Schatten einer dichten, grünen Hecke.
du verwendest im Gedicht viele Adjektive. In diesem Vers koennte man eins der beiden Adjektive rausschmeissen und das ganze noch geschmeidiger klingen lassen:
Im Schatten einer dichten Brombeerhecke (dass die Hecke gruen ist, ist eh sehr wahrscheinlich)
So bekaeme der Vers etwas mehr Pepp, finde ich.

Auf ihrem Silberpfad
Sehr schoene und passende Metapher

den Zauber ihrer stolzen Langsamkeit.
Wo sie auch ruht ist gänzlich einerlei -
stets hat sie ihre Heimat mit dabei.
Toller Ausklang, eingeleitet durch ein nettes Enjambement.

Aber schmeisse bitte eines der beiden Woerter raus: Langsamkeit - Einsamkeit (soll sich das etwa reimen??)



Sehr gern gelesen,
der Panther

Medusa
17.07.2008, 19:33
Liebe Tessa,
Dir noch einmal meinen lieben Dank und das Mut machen. Eigentlich gehöre ich eher zu den Humoristen, das fällt mir auch ziemlich leicht. Bei Naturgedichten wittere ich die Gefahr, zu überziehen, kitschig zu werden. Aber ich versuchs mal wieder.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend und grüße Dich herzlich,
Medusa.

Hallo Panther,
schön, Dich mal wieder zu lesen!
- Ja, die Interpunktion der ersten Strophe ändere ich, Dein Vorschlag gefällt mir.
- Das Schuppenkleid mag ich, sie hat ja eines. Ob es sie wirklich schützt, bezweifle ich auch, vielleicht vor Insektenstichen?
- Ich habe das "nach" in "stets" geändert, danke für den Denkanstoß.
- Nix da "formalistisch"! Mir fällt das auch beim Lesen auf, eine Alternative habe ich allerdings nicht.
- IN frühen Morgenstunden wird geändert. In der Erstfassung hieß es "zur" frühen Morgenstunden.
- Auch mit der Hecke muss ich Dir Recht geben. Ich überlege mal, wie ich das ändern kann. (edit: Grad geändert, ich erinnere, es war tatsächlich eine Buchenhecke!).
- Der Reim (ist das keiner?) Einsamkeit/Langsamkeit war der erste, der mir einfiel, er ist doch soooo schöööön! Ich habe das Sonett tatsächlich um diesen Reim herum geschrieben, der bleibt, keine Widerrede!

Ich danke Dir ganz herzlich für Deinen ausführlichen Kommentar und selbstverständlich für Deine lobenden Worte.
Mir gefällt es sehr, gute Vorschläge zu bekommen und sie, soweit mir das möglich ist, auch zu übernehmen. Schon viele meiner Gedichte sind durch solch schöne Zusammenarbeit besser geworden.

Ich habe noch eine Frage: Die Quartette enden hier weiblich, die Terzette männlich. Geht das überhaupt beim Sonett? Ich muss das zwar so stehen lassen, aber interessieren würde mich das schon sehr. Weder in meiner Literatur noch bei Wikipedia konnte ich darüber Auskunft finden.

Ich wünsche Dir einen schönen Abend und schicke viele liebe Grüße,
Medusa.

Der Panther
17.07.2008, 23:06
Ich habe noch eine Frage: Die Quartette enden hier weiblich, die Terzette männlich. Geht das überhaupt beim Sonett?

Da bin ich auch ueberfragt. Aber den Leser wird es wohl kaum stoeren. Und wenn es in einem klassischen Sonett nicht gemacht wurde, dann ist deines eben eine moderne Variante. Da wuerd ich mir keinen Kopp drum machen.

Nochmals gern gelesen,
Panther

Medusa
19.07.2008, 15:18
Lieber Panther,
ich danke Dir für Deine Rückmeldung! In Ordnung, ich mache mir nun um dieses Sonett keinen Kopp mehr. Experimentierfreudigkeit hat ja schliesslich auch was, stimmts? Vielleicht kriege ich das nächste Sonett wieder ganz klassisch hin.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und grüße Dich herzlich,
Medusa.