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Prodigy
16.07.2008, 20:24
Bellenden Herzschlags
flüchte ich
aus eurem Revier.
Wölfe sind
nicht willkommen
in der Stadt der Hunde.

Das Schicksal sagte „Fass“!
In diesem harten Boden
vergrabe ich schon bald
meine eigenen Knochen.

Doch mit eingekniffenem Schwanz
und entblößter Kehle
träume ich davon, eines Tages
gemeinsam mit eurer Meute
den Mond anzuheulen.

yaira
20.07.2008, 23:01
Hallo Reggy,

puh, wiedermal musste ich mich, um keinen deiner Texte zu verpassen, durch eine kleine Menge wühlen und wiedermal kann ich mir nur einen herauspicken, um ihn zu kommentieren.
Warum ausgerechnet diesen? Erstens ist er noch unkommentiert, zweitens finde ich den Vergleich spannend und drittens glaube ich, mich hier endlich mal kurz fassen zu können (ist ja schon spät ;)).

Die Idee ist wirklich spannend, Kompliment mal wieder für den Titel, du findest immer wieder passende. Ich fühlte mich gleich an "Stadt der Blinden" erinnert...

Gehetzt und mit
bellendem Herzschlag
flüchte ich
aus eurem Revier;
denn Wölfe sind
nicht willkommen
in der Stadt der Hunde.
"bellender Herzschlag" ist großartig! Inhaltlich deutlich, aber nicht langweilig: Das Wilde wird vom Zahmen, das Unkonventionelle von der Norm nicht geduldet.
Darf ich mal wieder mit meinem Kürzungsrotstift kommen?
Ich finde V1 überflüssig. V2 und 3 sagen deutlich genug aus, dass das LI gehetzt ist/wird. Auch "denn" würde ich streichen. Die erklärende Funktion, die es einnimmt, ist nicht nötig, die Kausalität wird auch so deutlich.

Das Schicksal sagte „Fass“!
In diesem harten Boden
vergrabe ich schon bald
meine eigenen Knochen.

An diesem Mittelteil hänge ich inhaltlich und finde keinen wirklichen Zugang. Das Schicksal (die Tatsache, ein Wolf zu sein?) gebitet dem LI eigentlich, sich zur Wehr zu setzen... ?
Aber wie hängt dieser Vers mit den folgenden 3 zusammen und worauf bezieht sich das Demonstrativpronomen "diesem"? Welcher Boden? Du siehst mich hier ratlos. Bekomm ich einen Tipp?

Doch mit eingekniffenem Schwanz
und entblößter Kehle
träume ich davon, mich eines Tages
würdig zu erweisen,
um mit eurer Meute gemeinsam
den Mond anzuheulen.
Ich mag, wie du hier die Körpersprache eines Hundes benutzt.
"sich würdig erweisen" ist sehr kompliziert ausgedrückt, finde ich.
Das "um" würde ich streichen: "Sich würdig erweisen, etws zu tun oder tun zu können" würde ich sagen (aber ohne Garantie ;)).
Auch der Abschluss ist deutlich. Es zieht den Menschen in die Gemeinschaft, auch wenn er sich unterordnen, anpassen muss und sich selbst vielleicht zu leugnen. Mein neu gewonnenes Psychologie-Wissen sagt dazu: soziale Eingebundenheit ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse...


Liebe Grüße
yaira

Prodigy
24.08.2008, 16:53
Guten Abend, yaira,

ich möchte mich als Erstes bei Dir entschuldigen, dass eine Antwort auf Deine Rezension so lange auf sich warten ließ. Wie Du aber vielleicht am Edit gesehen hast, habe ich mir Deinen Kommentar bereits zu Herzen genommen und das Gedicht Deinen hilfreichen Tipps angepasst. Besser spät als nie ein herzliches Dankeschön für Deine Textarbeit! Es freut mich, dass Dich dieser Text anspricht - um ehrlich zu sein, ist er einer von meinen älteren "Lieblingen", auch wenn ich ihn stilistisch längst nicht mehr top finde.

"bellender Herzschlag" ist großartig! Inhaltlich deutlich, aber nicht langweilig: Das Wilde wird vom Zahmen, das Unkonventionelle von der Norm nicht geduldet.
Darf ich mal wieder mit meinem Kürzungsrotstift kommen?
Ich finde V1 überflüssig. V2 und 3 sagen deutlich genug aus, dass das LI gehetzt ist/wird. Auch "denn" würde ich streichen. Die erklärende Funktion, die es einnimmt, ist nicht nötig, die Kausalität wird auch so deutlich.
Da hast Du völlig Recht - ich habe es mal zu kürzen versucht. Ist meine neue Version lesbar, oder überhaupt grammatikalisch richtig? :o

An diesem Mittelteil hänge ich inhaltlich und finde keinen wirklichen Zugang. Das Schicksal (die Tatsache, ein Wolf zu sein?) gebitet dem LI eigentlich, sich zur Wehr zu setzen... ?
Aber wie hängt dieser Vers mit den folgenden 3 zusammen und worauf bezieht sich das Demonstrativpronomen "diesem"? Welcher Boden? Du siehst mich hier ratlos. Bekomm ich einen Tipp?
Diese Strophe stellt (von Dir sehr gut beobachteten) Wandel des LIs von dem "einsamen Wolf" in der 1. Strophe zum "Herdentier" in der Schlusstrophe dar. Damit wollte ich ausdrücken, dass das LI sich nicht freiwillig unterwirft oder anpasst, sondern aus Hoffnungslosgikeit und Todesangst: Es fühlt sich ansonsten wehrlos in der Stadt der Hunde, weiß, dass ihm als einsamen Wolf der Tod droht. Mit "diesem Boden" ist der Boden der Hundestadt gemeint.

Ich mag, wie du hier die Körpersprache eines Hundes benutzt.
"sich würdig erweisen" ist sehr kompliziert ausgedrückt, finde ich.
Das "um" würde ich streichen: "Sich würdig erweisen, etws zu tun oder tun zu können" würde ich sagen (aber ohne Garantie )
Da ich immer noch keine lesbarere Alternative für dieses sperrige "sich würdig erweisen" gefunden habe, versuchte ich, es einmal zu streichen. Was hältst Du davon?

GLG
Reggy

yaira
24.08.2008, 17:17
Hallo Reggy,

ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub.
Die Änderungen in S1 und S3 finde ich gut.

Im Mittelteil würde ich den Leser etwas mehr an die Hand nehmen, zumindest für begriffstutzigere (mich), wäre das schön. Ein Vorschlag:

Das Schicksal (die Natur) sagte „Fass“!
In diesem (eurem) harten Boden
vergrabe ich schon bald
meine eigenen Knochen.

Liebe Grüße
yaira

Prodigy
24.08.2008, 17:42
Hi yaira,
Im Mittelteil würde ich den Leser etwas mehr an die Hand nehmen, zumindest für begriffstutzigere (mich), wäre das schön.
Ich werde mir dafür auf jeden Fall noch etwas überlegen, denn ich bin mit dem Mittelteil keineswegs zufrieden. Vielleicht schreibe ich ihn ganz um.
GLG
Reggy