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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Für alle Frauen: Im Wechsel


Mondscheinsonate
22.07.2008, 14:48
Ich bin im Wechsel, ja, ich, mit 32 Jahren. In der Nacht wird es mir bang und meine Glieder beginnen zu brennen. Ein Feuer entfacht sich in den Beinen und wandert weiter bis in die Brust. Meine Träume sind längst unterbrochen und ich liege dann wach in unserem Bett und die Schweißperlen laufen mir die Stirn entlang und sammeln sich zu einem reißenden Bach in der Schultergegend. Nein, ich kann nicht liegen bleiben. Ich muss stehen, ich muss duschen gehen, ich muss das Fenster aufreißen, draußen regnet es in letzter Zeit häufig und dann halte ich meinen kalt geduschten Kopf in den Regen und träume von Frieden.
Jeden Tag blicke ich in den Spiegel, ob Veränderungen gekommen sind, aber es bleibt noch alles beim Alten. Trotzdem bin ich gewarnt. Über das Alter habe ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht. Die ersten Falten kommen sicher bald und jetzt erst überlege ich, wie ich wohl reagieren werde. Bin ich dann noch attraktiv? Welche Creme werde ich benutzen müssen, dass es nicht schlimmer wird? Ist das Aussehen doch so wichtig?
Ich war nie eitel, aber anscheinend kann man nicht anders.
Ich bin in der Mitte meines Lebens und das Alter kommt zu Früh. Mein Arzt verschreibt mir Hormone und ich gehe in die Bibliothek und durchblättere Frauenratgeber über den „Wechsel“. Ich komme mir dumm vor, aber was soll ich sonst machen? Informationen bekommt man spärlich vom Arzt. Die Krankenkassen schreiben gewisse Zeiten vor, wie lange ein Arzt für einen Patienten brauchen sollte, daran wird sich zumeist strikt gehalten.
Nun, die Bücher sagen, dass Hormone nicht gut sind, wegen der Herzinfarktgefahr. Soll ich sie nehmen, oder soll ich mir Ersatzprodukte aus natürlichen Zutaten holen? Auf einmal wird mein Leben kompliziert.
Mein Körper verweigert sich mir. Wenn ich Lust auf Sex habe, dann bleibe ich körperlich Lustlos. Mein Partner denkt sicher, dass es an ihm liege, selbst, wenn ich ihm das 100 Mal erkläre. Ich würde es auch nicht glauben. Sex wird momentan zur Qual. Ich schiebe das Problem von mir und schlafe vor ihm ein, damit ich mich nicht rechtfertigen muss.
Unter Tags, wenn er nicht bei mir ist, dann beginne ich mich danach zu sehnen, nach ihm zu sehnen. Am Abend spielt mein Körper auf stur und mag nicht.
Manchmal habe ich Migräne, die so stark ist, dass ich mich nur noch ins Bett legen kann und jedes Wort wird zum Echo in meinem Kopf, in einer Lautstärke, die gigantisch ist. Es sind Qualen.
Wenn man jung ist, dann kokettiert man mit den Männern und wenn man alt ist, versucht man es erst gar nicht mehr. Ich frage mich eigentlich wieso, denn Attraktivität kommt doch von innen. Doch, wenn ich weiter denke, dann spüre ich wieder, wie mir der Schweiß auf die Stirn gerät, denn man kann sich gar nicht auf seine Mitmenschen konzentrieren. Man muss aufpassen, dass man nicht allzu ins Schwitzen gerät.
Und oft vergisst man, was man gerade sagen wollte.
Ich verstehe jetzt alle Mütter, wenn sie früh in Rage geraten sind. Ich umarme alle in Gedanken.
Was bleibt von der Jugend, wenn sie geht? Ein großes Buch voller Erinnerungen.