Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstmitleid
Mondscheinsonate
05.06.2008, 15:13
Mich mag niemand. Im Völkerball stand ich als letzte in der Schlange und man musste mich wählen. Ich konnte durchaus fangen, allerdings nicht schießen. Ich hatte immer den kleinen Schnabel offen und sprudelte meine Worte in den Luftraum, aber wenn ich das nicht machte, dann platzte ich - dachte ich zumindest. Jetzt im Alter ist es eher so, dass ich die Worte von einer auf die nächste Sekunde verliere und dann suche ich unter dem Sofa, aber finde sie nicht, daher sprudle ich, damit ich nicht vergesse, aber vermutlich ist das nur eine Ausrede. Wie auch immer, mich mag niemand. Meine Freundin war keine Freundin, weil sie sich nie als eine gezeigt hat und man braucht aber eine Freundin, damit man jemanden zum reden hat. Ja,....
Ich könnte endlos erzählen, aber über die Probleme mit ihr will ich nicht reden, weil ich habe ihr auch nie gesagt, was mich stört und nur ganz alltägliche Dinge gesagt und irgendwann sind die Worte, die nicht heraus hätten dürfen, doch herausgekommen und zwar mit einem Schwall, dass ich sie nicht mehr halten konnte und das war zuviel. Wortfetzen baumelten mir noch am Kinn, als das Telefon längst aufgehängt war. Ja, ich sag ja, mich mag niemand. Keiner hört so genau auf meine Worte. Langsam werde ich traurig. So wie damals, als ich am Schikurs alleine schlafen musste, weil keiner mich mochte.
So stehen auch meine geschriebenen Worte endgültig allein.
halbzart
25.06.2008, 09:30
Liebe Mondscheinsonate,
so ganz allein lass ich Deine Worte nicht mehr. Netter kleiner Text.
Ich bin so frei (Achtung konfus – springe im text auf und nieder)
Im Völkerball stand ich als letzte in der Schlange und man musste mich wählen. Ich konnte durchaus fangen, allerdings nicht schießen.
Man wählt doch ohnehin, das klingt, als wäre es die Konsequenz. Die Konsequenz, soweit ich mich erinnere, war immer das Auswürfeln/losen der beiden letzten armen Würste, unter Ach und Weh, des Kapitäns.
Und schießen: besser du wirfst den Ball beim Völkerball. Es drängt sich mir FAST der Verdacht eines biografischen Schlenkers auf :D
Das hier versteh ich nicht: ...dass ich die Worte von einer auf die nächste Sekunde verliere und dann suche ich unter dem Sofa, aber finde sie nicht, daher sprudle ich, damit ich nicht vergesse, aber vermutlich ist das nur eine Ausrede.
Du verlierst die Worte, suchst unterm Sofa, findest sie nicht, daher sprudelst du. Was bedeutet für Dich dieses sprudeln. Mist erzählen?
Keiner hört auf meine Wort so genau. Keiner hört so genau auf meine Worte fände ich eleganter.
Letzter Satz, der Schikurs: nicht am. Bin aber selbst nicht sicher ob 'beim' oder 'im'.
Der Satz ab ‚Ich könnte…’ hat ein gutes Tempo und hier wird deutlich, was passiert wenn er doch mal anhebt zu reden: sich um Kopf und Kragen reden, ohne Luft zu holen man möchte ihm den Locher quer reinschieben, damit er aufhört. Schüttet sich aus, holt wahrscheinlich auch alte Reste unterm Teppich vor. Und sowas trifft bekanntermaßen das Gegenüber meist wie ein Donnerschlag. Man wendet sich ab und er versinkt erstmal in Selbstmitleid.
Und wieder nichts gelernt, ein trotziges ‚keiner mag mich’ um weiter schweigen zu dürfen…
Cool, wenn ich dann zurück lese: weil sie sich nie als eine gezeigt hat und man braucht aber eine Freundin, damit man jemanden zum reden hat. Ja,....
Der Sinn blieb mir zuerst verborgen, ich fand es reichlich konfus, zumal ich mich beim ersten Absatz in die Irre führen ließ.
Ich konnte mich aber nach mehrmaligen Lesen doch noch auf den Protagonisten einlassen, der anfangs nur ein großes Fragezeichen war.
Was in der Kürze nun so alles drinsteckt (oder ich hineininterpretiert habe), gefällt dann doch.
Wie er da jetzt so steht, mit seinen Wortfetzen die da am Kinn kleben (tolles Bild ), tut er mir dann doch leid. Aber haben möchte ich ihn auch nicht – den beleidigten Schweiger.
LG
Dani
Mondscheinsonate
26.06.2008, 09:30
Hallo halbzart,
biografisch...ein wenig ... und doch übertrieben, depressiv und lausig. Ich danke Dir für Deine Kritik. sprudeln ist vielleicht ein Österreichischer Ausdruck und bedeutet einfach viel reden, ohne viel nachzudenken, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Mist erzählen - nicht umbedingt, aber einiges an Mist.
Mit dem Satz - ja, ich denke, umgedreht gehört es richtig. Das mach ich ganz gerne, leider.
Der Sinn ist, dass es keinen Sinn gibt. Vielleicht nur eine Verarbeitung von gewissen Dingen. Sigi hätt seine Freude. Wie auch immer, Danke Dir,
ALles LIebe cori
vBulletin® v3.8.6, Copyright ©2000-2010, Jelsoft Enterprises Ltd.