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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frühlingshaft


Baratheon
11.06.2008, 12:08
Der Stahl weint bleich und wohl im Schein,
verblasst im Blau und taut,
zerläuft, vertropft sein Nass auf Stein,
auf steife Winterhaut,

die er umschließt, umgibt, umgießt
noch kalt mit Panzerkraft,
die dennoch klafft, die Licht durchschießt
und weich wird -frühlingshaft.

Archimedes
13.06.2008, 10:06
Hallo Baratheon, wenn ich statt "Der Stahl" ´Das Eis´ einsetze wird für mich dein Gedicht schlüssig und schön. War es so gemeint?

Gruß Archimedes ...der mit den Kreisen

Baratheon
13.06.2008, 11:40
Hallo Archimedes,

ja, genau so war es gemeint.

Vielen Dank fürs Vorbeikreiseln und lieben Gruß :)

Bara

Archimedes
14.06.2008, 19:09
Hallo Baratheon,

und warum schreibst du dann nicht "Das Eis weint bleich und wohl im Schein,
"?
Gruß Archimedes ...der dieses Rätsel umkreist

Baratheon
15.06.2008, 10:43
Hallo Archimedes!

Weil ich Größenwahnsinniger dachte, es sei eine ganz besonders schlaue Idee, mal eine Metapher zu verwenden.:D
Ich weiß ja, ich weiß, das ist schon ein gewagtes Unterfangen innerhalb eines Gedichtes, aber mit mir gingen einfach die Pferde durch.

Aber mal im Ernst. :)
Ist die Umschreibung des Eises mit dem Wort Stahl für dich so unnachvollziehbar? Vor allem vor dem Hintergrund der "Panzerkraft"?
Falls ja, würde ich mich freuen, wenn du mir noch eine kurze Rückmeldung geben würdest, da es mir eigentlich recht schlüssig erscheint. Aber ich irre mich ja auch immer mal gerne.

Liebe Grüße und habe einen schönen Tag.

Bara

Archimedes
15.06.2008, 18:18
Hallo Baratheon, deine Metapher kann ich nicht nachvollziehen. Stahl hat für mich mit Eis nichts gemeinsam. Physikalisch kann man da zwar Gemeinsamkeiten ( Aggrgatszustände, Ausdehnung, Dichte) sehen. Für mich hat Stahl nichts mit Natur zu tun, denn es ist ein Kunstprodukt des Menschen wie Plastik. Das Eis (= Wasser) dagegen gehört zu den Urelementen und ist der Inbegriff der Natur.
Gruß Archimedes ...der mit den Naturkreisen

yaira
15.06.2008, 22:32
Hallo Bara,

auch an diesem Text bleibe ich hängen, weil er mir positiv auffällt. Die Thematik führt zwar unweigerlich dazu, dass er nicht ganz so tiefschürfend ist wie der kontrovere (wie genau du den Titel aufgebaut hast, vergesse ich immer wieder, vielleicht spricht das gegen die Titelgebung? - aber das gehört nicht hierher), aber das ist auch nicht schlimm.

Wenn ich diesen Text lese, sehe ich den Moment vor mir, wenn es das erste Schneeglöckchen schafft, sich nach oben Richtung Licht zu kämpfen. Für mich gehört das erste Schneeglöckchen, ebenso wie die ersten Krokosse auf der Wiese zu den ganz wichtigen Momenten in einem Jahr, weil dann die Hoffnung aufkeimt, dass der Winter mich bald aus seinen Klauen lässt.

Was eure kleine Diskussion angeht: Ich mag den Stahl, wei er ebenso wie den Panzer durch die "Entseelung", dadurch, dass ihnen das Natürliche fehlt, die Kraft der Kälte gut herausstellt, wodurch das zarte "Weichwerden" am Ende auch noch einmal an Kraft gewinnt (durch den heftigen gegensatz).

Positiv fällt mir hier wieder die gelungene phonetische Gestaltung auf. Du verstehst es, mit Tönen zu malen, den Nerv durch Gleichklänge zu kitzeln, ohne, dass es einem auf die Nerven fällt.
Die unterschiedliche Längengestaltung der Verse gibt dem Text einen eigentümlichen, interessanten Rhythmus.

Einen kleinen Vorschlag hätte ich: Mich stört das Fugen-s in "Wintershaut" - könnte man das nicht weglassen. Das Wort känge ohne es für mich runder.

was ich nicht verstehe, ist das Wort "lichtdurchschießt", ich häte wohl geschrieben "lichtdurchschossen", aber vielleicht leitest du das Wort nur irgendwoher, worauf ich nicht komme?

Gern gelesen.

Liebe Grüße
yaira

witch
15.06.2008, 22:43
Hallo yaira,

nur ganz schnell, für einen Kommi (der dauert bei mir immer so lang!) habe ich leider keine Zeit mehr: Ich denke, dass Bara "die" (Winterhaut) als Objekt versteht, die das Licht durchschießt (was dann also nicht als fehlerhaftes Partizip gemeint ist). Oder, Bara?

@Bara: Ich kann mich ansonsten yaira nur anschließen. Den Stahl mag ich ebenfalls, auch, weil er eine weitere Bedeutungsebene erschließt: Die Einkehr des Frühlings ließe sich auch auf den Beginn eines Friedensschlusses in einem zwischenmenschlichen Konflikt übertragen, ob den zwischen zwei ehmals erbitterten Feinden, oder den zwischen ehmals verfeindeten Völkern... Insofern: mindestens ein doppeltes "sehr gern gelesen" :)! Sorry, dass es für mehr momentan nicht reicht. Viel Erfolg für alles noch vor Dir liegende ... ;) und ganz liebe Grüße

witch

Baratheon
30.07.2008, 10:31
Hallo Archimedes, yaira und witch,

@Archimedes

Dein Problem mit dem Stahl kann ich nachvollziehen, dennoch sind für mich die Gemeinsamkeiten für diesen speziellen Zweck -auch was Optik und Haptik anbelangt- Rechtfertigung genug, ihn hier als Metapher für Eis zu verwenden.

@yaira

wunderbar, dass dich dieses Gedicht zu solchen Assoziationen bewegt, liebe yaira, und er dir klanglich auch zu gefallen vermag.
Das "S" in der "Wintershaut" streiche ich gerne.
Was das "Licht durchschießt" angeht, so hat die gute Hexe ja schon alles verraten.

@witch

Auch wenn du keinen Kommi schreibst, steckt in diesem Nicht-Kommi mal wieder so viel drin, dass ich nur staunen und mich freuen kann.
Deine weitere Bedeutungsebene trifft's bombig.

Euch Dreien liebe Grüße und sonnige Tage

Bara