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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schreibübungen zu "Metrum und Rhythmus"


yaira
27.03.2010, 11:09
Hallo liebe Mitdichter,

auf Basis des Theorie-Fadens "Einführung: Metrum und Rhythmus (http://www.dielyriker.de/zudenlyrikern/dielyriker/showthread.php?t=8068)" möchte ich euch hier ein paar kleine Übungen vorstellen, die es erleichtern sollen, beim Schreiben ein Gefühl für Betonungen zu bekommen. Der Faden richtet sich also vor allem an Leute, denen es noch Schwirigkeiten bereitet, nach einem bestimmten Grundschema zu schreiben.

Natürlich freue ich mich sehr, wenn jemand Anregungen oder eigene Übungen zu dem Faden beisteuern möchte. Es wäre aber schön, wenn wir sie vorher besprechen könnten.

Da dieser Faden der Übung diesen soll, scheut euch nicht, eure Lösungen einzustellen. Ein erfahrenerer User bespricht sie bestimmt gern mit euch.


Übung (http://www.dielyriker.de/zudenlyrikern/dielyriker/showpost.php?p=58712&postcount=2) zu Kapitel 1-3 (Hebungen und Senkungen, Einsilbige Wörter, Arten der Versfüllung)

Übung (http://www.dielyriker.de/zudenlyrikern/dielyriker/showpost.php?p=58713&postcount=3): Wörter ersetzen


Lieben Gruß
yaira

yaira
27.03.2010, 11:10
Übung zu Kapitel 1-3:

Um ein Gefühl für Hebungen und Senkungen zu entwickeln, sammle zu einem Thema, das dir gefällt, einige zweisilbige Wörter:

Beispiel: Thema „Nacht“

Dunkel
Sterne
Himmel
glänzen
strahlend
schlafen
Städte
helle
wachen


Wo liegen die natürlichen Betonungen? Bei diesem Beispiel wird immer die erste Silbe betont. Wenn ich aus ihnen also einen regelmäßigen Vers machen möchte, bietet sich ein Vers nach folgendem Schema an: XxXxXx usw.


Über Städten schlafen dunkle Himmel,
helle Sterne wachen glitzernd.

XxXxXxXxXx
XxXxXxXx


Das ist wahrscheinlich die sicherste Art einen trochäischen Vers zu bauen. Allerdings werdet ihr bemerkt haben, dass das Ganze ein bisschen hölzern klingt und gar nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Das liegt nicht nur an meinem Unvermögen, sondern auch daran, dass unsere Sprache eben nicht nur aus zweisilbigen Wörtern besteht. Vor allem einsilbige Wörter nehmen eine wichtige Stellung im Deutschen ein.

Um ein Gefühl für Einsilber zu bekommen, könnt ihr die oben vorgestellte Übung mit einsilbigen Wörtern wiederholen.
Tipp 1: Präpositionen und Konjunktionen bieten sich an, um den Satzinhalt zu steuern und Senkungen einzustreuen. Versucht inhaltsschwere mit solchen, eher inhaltsarmen Wörtern abzuwechseln.
Tipp 2: Viele zweisilbige Verben sind in einigen konjugierten Formen einsilbig: freuen – freut, sagen – sagst...

Bsp.:

Bei Schmuck und Gold freut sich die Braut,
schon hofft der Mann, dass sie sich traut.

xXxXxXxX
xXxXxXxX
Zugegebenermaßen passt das Kriterium der inhaltlichen Gewichtung hier nicht hundertprozentig: Wie ihr seht, ist im ersten Vers das Verb „freut“ unbetont, das Reflexivpronomen „sich“ aber betont; im zweiten Vers verhält es sich genau umgekehrt.
Daran könnt ihr sehen, dass es eben nicht nur schwarz oder weiß gibt und solche Grautöne bieten ja die Möglichkeit zum Spielen...



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yaira
27.03.2010, 11:11
Übung: Wörter ersetzen:

Die Beiden (Hugo von Hofmannsthal)

Sie trug den Becher in der Hand -
Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

Halte dich an Hofmannthals Vorgaben! Er schreibt im 4hebigen Jambus. Ersetze einsilbige Wörter durch einsilbige, zweisilbige durch zweisilbige etc. Am besten, du hältst dich auch ein bisschen an die Satzstruktur. (Der Inhalt ist hier absolut zweitrangig!)

Beispiel:

Ich zog den Wagen mit der Hand
bis mir die Kraft im Arme schwand
So schwach und mickrig war mein Arm,
der Wagen fuhr in einen Farn.


Das Schöne ist, dass man diese Übung mit den verschiedensten Texten wiederholen kann.
Tipp: Wenn es anfangs noch etwas schwierig ist, verzichte erstmal auf die Übernahme der Reimstruktur.



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