Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hexameter: Frühling
Hallo Ferdi :),
etwas aus der Übung gekommen, möchte ich Dir trotzdem meinen Versuch nicht vorenthalten. Der Erasmus ist mir etwas abhanden gekommen, ich komme aber drauf zurück.
Hier habe ich nur ganz wenig auf die Zäsuren geachtet; beim letzten Lesen fiel mir das auf. Im Moment habe ich keine Idee, sie richtig einzusetzen. Das "da" als Auftakt ist bekleckert, ich weiß ......
(Ich stell das Gedicht auch unter Natur ein, mal sehen, was kommt ;))
Ich wünsche Dir schöne und sonnige Osterfeiertage.
Herzliche Grüße,
Medusa.
Da nun die wärmende Sonne goldene Strahlen zur Erde
sendet, erwachen Blüten und Gräser aus eisiger Starre.
Sanfte Lüfte malen feinste, ja zarteste Farben,
zaubern erstes, noch scheues Grün auf erwachende Wiesen.
Lockende Düfte verführen noch träumende Hummeln und Bienen,
tanzend und schwirrend trinken sie erste Tropfen des süßen
Nektars. Bächlein erwachen, springen lebhaft und heiter.
Kleine und große Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr frisch und tolldreist voll Übermut fröhlich entgegen.
Zugvögel kehren langsam zurück. Das Rauschen der Schwingen
zeigt uns, der Frühling ist angekommen, wird unsere Herzen
wärmen. Schon versüßt das Trällern der Ammern, der Jubel
kleinster Sänger die Stunden wiederkehrender Kühle.
Freuen wir uns bezaubernder Farben, betörender Düfte,
trinken wir erste, erquickende Strahlen wärmender Sonne,
nehmen auf mit jeder Faser die erweckenden Düfte.
Schönste Zeit des Jahres. Sei mir willkommen, Frühling!
Hallo Medusa!
Die Zäsuren nachträglich einzuarbeiten tut den Versen aber nicht unbedingt gut - eigentlich sind die so wichtig, dass sie von Anfang an mitbedacht gehören ;)
Na ja, ich habe ein paar wenige(!) metrische Problemchen gefunden und mache auch einen Vorschlag zur Behebung:
Da nun goldene Strahlen die wärmende Sonne zur Erde
sendet, erwachen Blüten und Gräser aus eisiger Starre.
Sanfte Lüfte beschenken die Welt mit zartesten Farben,
zaubern erstes, noch scheues Grün auf erwachende Wiesen.
Lockende Düfte verführen noch träumende Hummeln und Bienen,
tanzend trinken und schwirrend sie erste Tropfen des süßen
Nektars. Bächlein erwachen und springen lebhaft und heiter.
Kleine und große Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr frisch und tolldreist, voll Übermut, fröhlich entgegen.
Zugvögel kehren langsam zurück. Das Rauschen der Schwingen
zeigt uns, der Frühling ist angekommen, wird unsere Herzen
wärmen. Schon versüßt das Trällern der Ammern, der Jubel
kleinster Sänger die Stunden der wiederkehrenden Kühle.
Freuen wir uns bezaubernder Farben, betörender Düfte,
trinken wir erste, erquickende Strahlen wärmender Sonne,
nehmen mit jeder Faser auf die erweckenden Düfte:
Sei mir, du schönste Zeit des Jahres, willkommen, o Frühling!
Aber das ist mehr, damit du einen Hinweis hast, wo ich die Hexameter-Struktur angegriffen glaubte - nach den Änderungen schaust du besser selbst :)
Zugvögel ist ein recht wackliger Daktylus (die zweite Silbe ist ziemlich schwer), und das nehmen auf gefällt mir weder in deiner noch in meiner Version wirklich....
2x Düfte am Ende würde ich ändern, vorne hast du's ja auch schon.
Harte Zeilensprünge wie sendet, Nektars, wärmen kann man mal machen, aber wenn sie überhand nehmen, greifen sie die Versstruktur an?!
Ferdigruß!
Edit: Ich habe unter den "Materialien" ein Stück "Wieland-Frühling" eingestellt. Schau mal, ob du den Text irgendwo ganz findest - nur so zum Vergleich ;) -F.
Edit 2: Änderungs-Vorschläge gerötet :) -F.
Lieber Ferdi :).
Du bist aber schnell :), Danke!
Ich habe eine Bitte: Du hast viele schöne Vorschläge eingebaut, könntest Du sie bitte farbig markieren? Es ist unerhört schwierig, zwei fast! identische Werke zu vergleichen und zu überarbeiten.
Zugvögel, 2 x Düfte etc. mag ich auch nicht. Ich lass es erst einmal mit Deinen Vorschlägen "sacken". Den "Wieland-Frühling" lese ich gleich :).
Wir lesen uns :).
Herzliche Grüße,
Medusa.
edit: Ganz lieben Dank fürs "Erröten". Bis heute Abend :)
Hallo!
Ich möchte zu bedenken geben, dass es immer ein Problem ist, uneindeutige Silben (nach Lesart) auf eine Position zu stellen wo Eindeutigkeit gefragt ist.
Da nun goldene Strahlen die wärmende Sonne zur Erde
Hier sind gleich 2 Probleme:
"Da"
und "nun"
beides lange Silben, beide könnten jeweils betont gelesen werden. Die Umgebung dieser Silben gibt auch keinen eindeutigen Hinweis auf ihr Betonungsgewicht.
Hinweise zu diesen Problemen der dt. Metrik findet man bei Wagenknecht, Arndt und Otto Paul.
Ich versuche mal (sorry noch nicht ausgefeilt) dem Sinngehalt entsprechend einen Anfang (allerdings in Distichen, der erste Vers ist Hexameter):
Auen und Felder erwachen // in freudigen blauen Blicken
sendet die Sonne den Glanz// strahlenden Goldes herab.
("blauen" in Z1 ist schwächer als "freudigen" und "Blicken", deshalb darf es als unbetont stehen)
Frei ist der Fluss und die Seen// das Lachen des Himmels zu spiegeln
suche ich Freude im Licht,//strahlend im Goldhauch verwebt.
auch hier: "zu" (Z1) ist eindeutig kürzer und schwächer als "spiegeln", deshalb funzt es an einer Position für unbetonte kurze Silben.
Die langen Betonungen (schweren) Betonungen stehen eindeutig am Beginn der Daktyläen.
Das Problem in der Nachbildung antiker Verse ist wohl, dass man nicht nur auf die Hebung und Senkung achten sollte, sondern auch auf das Gewicht bzw. die Silbenlänge. Nach meiner Erfahrung erzielt man erst dann annähernd den typischen Klang/ Melodie.
Für die neudeutsche Sprache schwierig, da heißt knobeln, mit einfachen kurzen Übungen beginnen.
Voß hat ja angeblich die allgemein anerkannt beste Nachdichtung (Übersetzung) der Odysse geschaffen. Für mich hat es sich als lehrreich herausgestellt in alten Versen zu knobeln..sie auseinander zu nehmen.
Nach etwas intensiver Übung hat man den Klang schon besser im Ohr und klebt nicht mehr so am Versfußgerüst.
Alles natürlich aus meiner subjektiven Sicht...
Schön und hilfreiche wäre es, wenn dies nicht mißverstanden würde. Mir geht es wie euch um Austausch und Weiterlernen.
Liebe Grüße
gitano
Schön, dass Du hier rein schaust, Gitano :)
Ich bin grad mit der Überarbeitung beschäftigt und denke, dass ich sie noch heute abend zur Diskussion stelle :eek::)
Bis dahin liebe Grüße,
Medusa.
Hallo Gitano!
Schön, dass du hergefunden hast :)
Ich fange dann auch gleich an, dir zu widersprechen ;) Beim "da nun" gibt es eigentlich überhaupt kein Problem. Wenn du die Voss-Übersetzung magst, kannst du ja auch mal beim Theoretiker Voss vorbeischauen - wenn man sich wirklich einlesen will, führt an seiner Zeitmessung der deutschen Sprache eigentlich kein Weg vorbei, und dank google books ist sie inzwischen ja bequem einsehbar (einfach mal googeln). Auf Seite 12 schreibt Voss: Mittelzeitig (sprich: je nach Verwendung lang oder kurz -F.) sind die leichteren Nebenwörter: da, wo, nun, dann, schon, noch, so, wie, nicht, kein, eh', bis, nur, ja für etwa, je, zu für allzu; Und genau so werden sie ja im Versanfang "Da nun goldene" verwendet, ganz egal, ob du den Vers eng angelehnt an den antiken Hexanmeter auffasst oder als explizit deutschen Hexameter: Im ersten Fall ist das da lang, weil die erste Silbe immer lang ist, und das nun lang, weil die dritte eindeutig auch lang ist ("Da nun" = Spondäus); im zweiten Fall ist die erste betont, weil die erste Silbe immer betont ist, und die zweite unbetont ("Da nun" = Trochäus). Also: Alles in Ordnung :)
Eine Literaturliste zum Hexameter wäre eine gute Idee... Meinst du mit "Paul" die Deutsche Metrik von Otto Paul / Ingeborg Glier?! Wenn ja: Da steht einiges drin, aber sehr knapp, so dass es eigentlich nicht ausreicht. Was bei Wagenknecht und Arndt steht, halte ich für komplett unbrauchbar im Bezug auf die eigene Praxis.
Distichen (kannst du nicht wissen) habe ich Medusa schon mal ans Herz gelegt, aber siie möchte sich wohl erst einmal auf den Hexameter konzentrieren - so sei es :) (in "blauen" muss "blau-" betont / lang sein, weil du davor ja zwei unbetonte / kurze Silben hast).
Allgemein halte ich die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunders viel diskutierte Frage, wie dicht denn der deutsche Hexameter am antiken Vorbild sich orientieren muss, für durch die Praxis entschieden: Die Hexameter und Pentameter von Goethe, Schiller, Hölderlin, Mörike sind denen von Schlegel und Voss so weit überlegen, dass sie fü uns Heutige der Maßstab sein müssen. Soll heißen: Seit Goehte ist der "deutsche Hexameter" fertig da, und man kann deutsche Hexameter schreiben, ohne irgendwas vom antiken Vers verstanden zu haben.
Ferdigruß :)
Hallo zusammen :)
Oh Manno, gleich zwei Experten :eek:. Jetzt muss ich stark sein :)
Hier der erste Teil meiner Überarbeitung; ich hänge noch an den Zugvögeln, bin aber jetzt zu müde, um auch nur noch einen Vers hinzukriegen. Der Rest kommt morgen.
Viel Vergnügen und Gute Nacht,
Medusa.
Nun, da die wärmende Sonne wieder goldene Strahlen
schenkt, erwachen Blüten und Gräser aus eisiger Starre.
Gehe hinaus und erfreue dich neuen, keimenden Lebens.
Spüre den ersten sanften Hauch auf durstigen Wangen.
Schau das freundliche Grün, die lieblichen, zartesten Farben.
Wiesen und Wälder erblühen, erste Knospen brechen,
süße, liebliche Düfte locken träumende Hummeln,
mutige Bienen zum ersten Mahl. Tanzend und schwirrend
breiten sie ihre Flügel und trinken vom köstlichen Nektar.
Glitzernde Bächlein springen heiter durch sprießende Auen,
große und kleine Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr frisch und tolldreist voll Übermut fröhlich entgegen.
Wird fortgesetzt :D
Hallo nochmal,
Meine Empfehlung an Anfänger ging eher in die Richtung Hexameter in Daktyläen aufzubauen um ein Gefühl für Verslänge und Klang zu bekommen - dass hat mir geholfen.
Oben bei meinem ersten Beispiel habe ich mich bei "blauen" tatsächlich verzählt sorry.
Man muß hier nicht streiten, wer denn von den deutschen Dichtern nun am besten den für die neudeutsche Sprache Hexameter baute. Im Endeffekt wird es jeder Autor mit sich selbst abmachen, ob und wie er den antiken Vorbildern möglichst nahe kommt. Auch Silbenlängendefinitionen im mittleren Längenbereich (ich habe darüber gelesen - und auch die Kritiker) Bereich sind bei entsprechender Interprattion Schall und Rauch.
Ich stützte meine HInweise auf Ausarbeitungen der Uni Duisburg, einigen dt. Metrikschulen, meinen eigenen Erfahrungen sowie haufenweise Studienmaterial verschiedener Institute, insb. zur lateinischen Metrik.
(Ich gehe auch gern ins Detail wenn mich etwas interessiert:D)
Ich denke es wäre für Anfänger hilfreich eine kleine Biobliographie zusammen zustellen. Unter einem Extralink?
Mit Paul meine ich Otto Paul und Ingeborg Glier, ja.
Ich bin auch der Meinung, dass die etwas älteren Metrikschulen mehr und brauchbarere Hinweise zu antiken Versmaßen beinhalten.
Was auch noch ganz gut ist:
man sollte mal einige (alte) lateinische Hexameter mit richtiger Betonung laut vor sich hersprechen - man muß den Inhalt nicht unbedingt verstehen -aber die Melodie / Klang und das gefühl für Verslänge bemerkt man.
@Medusa:
Ich bin weit davon entfernt Experte zu sein. Habe lediglich einen kleinen Vorsprung in Information und praktischen Übungen
Was würde Dir den helfen, einen besseren Einstieg zu finden?
Eines noch zum Schluss:
Nach den ersten "Bruchlandungen" macht es zunehmend Spaß!
:D
Insbesondere die Übungserfahrungen um Klang und Melodie konnte ich sehr gut auch bei anderen Versformen nutzen...bis hin zum vers libre.
Es lohnt also, sich eine Weile damit zu befassen.
Feris Anregung wäre auch die meine:
Versuche Dich dann bald in Distichen! Sie schulen all das erwähnte noch deutlich mehr!
Schön, dass es noch Freunde für antike Versmaße gibt!
Liebe Grüße
gitano
Hallo zusammen,
leider, leider komme ich in den letzten Wochen gerade noch dazu, mich auf dem Laufenden zu halten, aber nicht mehr dazu, mich mit dem Kommentieren oder gar Diskutieren von/über Lyrik zu beschäftigen.
Hier treibt es mich aber doch kurz auf gitanos Tipp einzugehen, zur Sensibilisierung für den Hexameter lateinische Verse zu lesen:
Hast Du das tatsächlich selbst so gehalten, lieber gitano? Beherrschst Du diese Sprache und vor allem die Regeln des quantifizierenden Metrums? Dann solltest Du Dir bewusst werden, dass dies 1. nicht für alle Lyriker gilt und beim Anfänger vermutlich sogar für ausgesprochene Verwirrung sorgen kann, wenn er sich denn in diese Thematik einarbeitet, und dass dies 2. (wie Ferdi schon nahelegt) einem Lyriker, der deutsche Hexameter schreiben will, überhaupt nicht weiterhilft, weil unsere Hebungen mit den Wortakzenten zusammenfallen, während diese im Lateinischen mit einer langen Silbe zu besetzen sind, die aber für unser Betonungsempfinden u.U. alles andere als eine Betonung oder auch eine Silbe mit langem Vokal darstellen. Im Gegenteil bereitet es dem Lateinverstehenden, der aber mit der Metrik unvertraut ist, eher Probleme, Hexameter gegen die erlernten Wortakzente zu lesen. Deine Quellenangaben lassen mich fast vermuten, dass Du Dir Dein Wissen evtl. rein theoretisch erworben hast und Dir dieser Aspekt vielleicht selbst gar nicht bewusst ist, denn Deine Argumentation weist ja auch häufiger auf die Silbenlänge hin, die für unsere Dichtversuche aber i.d.R. unwichtig ist (bezüglich des Metrums).
Nun aber noch schnell zu Deiner Überarbeitung, liebe Medusa:
Ich wundere mich nicht zum ersten Mal, dass Du gravierende Änderungen vornimmst, obwohl die ersten Rückmeldungen doch überhaupt keinen "Katastrophenalarm" gaben. Hier meine ich wieder, dass es sich nicht unbedingt um eine Verbesserung handelt, gestehe aber, ich habe mich nun nicht in den Vergleich beider Versionen vertieft.
In der Überarbeitungsversion haben sich Dir zwei Fehlerchen eingeschlichen: In V6 stimmt der vorletzte Versfuß nicht und in V8 gibt es einen Hebungsprall nach "Mahl". Mir wollen aber vor allem die neu auftauchenden Imperative nicht behagen. Viel lieber würde ich von den prallen Frühlingsbildern Deiner Verse ins Freie gelockt als von der direkten Aufforderung ;). Verzeih, dass ich mich nun nicht genauer mit Deinen Versen auseinandersetze, es ist schon wieder schrecklich spät... :(
Euch allen noch einen schönen, hoffentlich sonnigen Ostermontag und liebe Grüße
witch
Guten Morgen Witch,
weil dies ein Übungsfaden ist, in dem ich mit eurer geduldigen Hilfe eines Tages den Hexameter "gefressen" haben werde, nehme ich für mich ein paar Freiheiten in Anspruch. Selbst wenn ich das Obere nach unten kehre und aus einem zunächst stimmigen Gedicht ein völlig anderes bastele, überlasse es bitte mir, dies einzustellen. Jeder Versuch, und sei er total daneben, wird mich meinem Ziel etwas näher bringen. Das "Übungsfeld" bleibt schließlich erhalten.
Mir gefällt meine Erstfassung auch besser, daran werde ich weiter arbeiten und mir Deine Hinweise durch den Kopf gehen lassen :). Ferdi mag die Imperative auch nicht; ich betrachte sie eher als Selbstgespräche ;).
Mach mir bitte meine Experimentierfreudigkeit nicht madig, denn ohne sie hätte ich schon längst die Freude am Lernen verloren.
Ich wünsche Dir einen schönen Ostermontag :).
Herzliche Grüße,
Medusa.
Frage an alle: Was haltet ihr von einem Extrafaden für Grundsatzdiskussionen?
Hallo Medusa!
Du machst, was du willst, ist doch klar :) Aber so unrecht hat Witch nicht: Man kann schon beobachten, dass deine Verse freier, schwingender, im Endeffekt schöner sind, wenn du sie "aus dem Nichts" denkst, als wenn du sie von etwas schon bestehendem her denkst. Das sagt nun an sich natürlich überhaupt nichts aus, daher flugs zu deinen neuen Versen :)
Nun, da die wärmende Sonne erneut ihre goldenen Strahlen
(Zäsur)
schenkt, erwachen Blüten und Gräser aus eisiger Starre.
Gehe hinaus und erfreue dich neuen, keimenden Lebens.
Spüre den ersten sanften Hauch auf durstigen Wangen.
Schau das freundliche Grün, die lieblichen, zartesten Farben.
Wiesen und Wälder erblühen, da erste Knospen sich öffnen,
(Zäsur + X x x / X x)
süße, liebliche Düfte verlocken träumende Hummeln,
(Zäsur)
mutige Bienen zur ersten Mahlzeit. Tanzend und schwirrend
(Zäsur + Für's Ohr mißverständlich!?)
breiten sie ihre Flügel und trinken vom köstlichen Nektar.
Glitzernde Bächlein springen vergnügt durch sprießende Auen,
(Zäsur)
große und kleine Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr frisch und tolldreist, voll Übermut fröhlich entgegen.
(Komma wäre schön ;))
Du siehst: Fast perfekt - bis auf die Sache mit der Zäsur, die "sitzt" einfach noch nicht. Vielleicht könntest du ja nach dem Schreiben noch einmal über die Verse gehen und überprüfen, ob der in (mindestens) zwei Teilverse sich gliedernde Hexameter nach der Hauptzäsur im dritten oder vierten Fuß wirklich mit einer unbetonten Silbe in die zweite Hälfte startet. Denn im Grunde ist es so einfach: Nach der leichten Sprechpause in der Mitte des Verses muss der Neueinsatz auf einer unbetonten Silbe erfolgen. Wenn du dir bei den "Materialien" irgendeinen Text darauf ansiehst - oder besser vorsprichst - wirst du sehen, dass diese Grundregel, egal bei welchem Autor, egal zu welcher Zeit, eisern eingehalten wird! Ausnahme ist die Zäsur nach dem vierten Fuss, weswegen ich im Falle von
mutige Bienen zur ersten Mahlzeit. Tanzend und schwirrend
auf diese Zäsur geändert habe:
X x x / X x x / X x / X x || X x x / X x
(Diese Zäsur sollte man aber auch nur in Maßen nutzen)
So, jetzt warte ich auf den zweiten Teil :) Einen "Grundsatzfaden" könnten wir natürlich aufmachen, falls nötig und gewünscht!
Ferdigruß!
Hallo
@witch:
Bitte lese mein Komm noch mal aufmerksam. Ich habe lediglich versucht, Hilfen zum Klangaspekt bei tateinischen Versen zu geben. In der Nachbildung von antiken Versmaßen spielen sowohl quantifizierende als auch qualitative Metrik eine Rolle. Ich würde mir offene Fragen anstelle von destruktiven Vermutungen wünschen.
Ging es hier nicht um Hilfen für Medusa?
Wenn dieser Thread sich hier jenseits einer Infosammlung thematisiert bin ich weg. Ich habe nach zig solcher unproduktiven "Uminterpretierungsgrundsatzdiskussionen" (die ich erlbebte oder las) die Nase voll davon. Dafür ist mir Zeit und Energie zu schade.
@Medusa:
Eine Möglichkeit von distanziert Beschreibenden wegzukommen (hast mal als Problem erwähnt) könnte sein, die Erlebensebene in den Vordergrund zu rücken, wie oben in dem Beispiel:
Frei ist der Fluss und die Seen// das Lachen des Himmels zu spiegeln
suche ich Freude im Licht,//strahlend im Goldhauch verwebt.
...also bring dein "Ich" ein - und es wird weniger distanziert.
Ein Tip fiel mir noch ein:
Manchmal hilft es auch den Vers in zwei Teile zu teilen und erst einmal nur schöne Versanfänge für eine verdichtete Sprache zu finden.
z. B. für die ersten drei Versfüße bis zu Zäsur
-vv/-vv/-v //also nach der dritten Hebung oder
-vv/-vv/-vv/-v// nach der vierten Hebung
versuche dabei das "ich" ins Spiel zu bringen
z.B.
Golden verwebt mich die Sonne // (ich als Objekt)
Freier erklimme ich Herzen und Höhen// (ich als Subjekt)
Deinen Gedanken, zunächst eine Urtext zu schreiben- und ihn dann später in Hexameter umzusetzen, finde ich als Grundlage sehr gut. Ich selbst habe dies auch mal für die Vorbereitung eines textes in Distichen gemacht.
Liebe Grüße
gitano
Hallo!
Ich habe mal einen Faden aufgemacht für die grundsätzlichen Fragen: Hexameter-Gespräche (http://www.dielyriker.de/zudenlyrikern/dielyriker/showthread.php?p=59339#post59339). Damit kann Medusas Übungsfaden ausschließlich dem gedachten Zweck dienen :)
Ferdigruß!
Liebe Medusa,
vielleicht war es keine gute Idee, zu nachtschlafener Zeit zu kommentieren, wenn mein letzter Beitrag als ein destruktiver zu verstehen ist. Gitano kennt mich nicht, aber Du dürftest wissen, dass mir nichts ferner liegt als einem Lyriker sein Recht auf seine Auffassung vom Dichten absprechen zu wollen. Auch hier wollte ich lediglich davor warnen, sich mit lateinischen Hexametern zu befassen, wenn man eigentlich deutsche schreiben will und sich mit den Eigenheiten der lateinischen Lyrik nicht auskennt. Außerdem wollte ich Dir rückmelden, dass mir persönlich Deine erste Version besser gefällt, aber Dich nun keinesfalls vom Verändern oder Ausprobieren abhalten. Wenn ich so zu verstehen war, dann tut mir das leid.
Bewusst habe ich lediglich die für mich so erscheinenden Schwachstellen Deiner zweiten Version genannt und keine Vorschläge für Änderungen dagelassen, weil ich zum einen weiß, wie wichtig es Dir ist, eigene Lösungen zu finden, und zum anderen Ferdi viel differenziertere Hinweise geben kann als ich. Da er dies inzwischen ja auch getan hat und ich nichts zu ergänzen habe, belasse ich es hier bei dieser Erklärung und hoffe, es ist für Dich in Ordnung so.
Hallo gitano,
tut mir leid, wenn Du Dich angegriffen gefühlt hast, so war mein Beitrag sicher nicht gemeint. Wenn ich ihn nochmals lese, so meine ich, dass ich den an Dich gerichteten Teil mit den von Dir geforderten offenen Fragen eröffnet habe. Was Du als destruktiv auffasst, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Allerdings wäre eine Diskussion darüber in diesem Faden fehl am Platz, so dass ich hier nun nicht weiter darauf eingehen möchte. In Ferdis Stellungnahme zu dem angesprochenen Problem im Diskussionsfaden fühle ich mich größtenteils bestätigt, weshalb ich mich zu dieser Nachtzeit dort nicht mehr melden werde. Ich hoffe auf Dein Verständnis und einen konstruktiven Austausch.
Euch beiden liebe Grüße
witch
Hallo zusammen :)
Weil ich es gar nicht erwarten kann, hier mein "Arbeitsblatt".
Beide Versuche schüttete ich in einen Topf und rührte kräftig um :D. Riesige Mühe gab ich mir dabei, Tage werkelte ich daran und beherzigte alle eure Vorschläge, so gut ich kann. Ob die Zäsuren stimmen, weiß ich nicht sicher - bei der Anzahl der Hebungen verzählte ich mich diesmal nicht ;).
SOWAS schrieb ich noch nie! das trieft für meinen Geschmack erheblich, und ich stellte fest, dass es mir tatsächlich an "romantischer" Vielfalt fehlt :o.
Was auch immer: Ich bin mit einem großen Satz über meinen Schatten gesprungen und ein wenig stolz auf mein "Werk". Ich glaub, es klingt jetzt etwas besser als eine Reportage. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ihr nicht den Rotstift anlegen dürft. Nur zu!
Lieber Gitano,
mit Distichen beginne ich erst, wenn ich die einfachsten Regeln des Hexameters beherrsche, in Ordnung?
Liebe Witch,
:):):)
Herzliche Grüße an alle,
Medusa.
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne,
flirrend erglänzen des Morgens die Schatten im Wald und in Fluren.
Blaugoldne Schimmer erhellen noch abends die dunkelnden Wiesen,
zärtliche Düfte umkosen und küssen die knospenden Felder,
zaubern das erste Ergrünen des neuen, schon keimenden Lebens.
Samtene Lüfte befächeln und locken die zartesten Blüten,
Krokus und Glöckchen erwachen aus tiefer und eisiger Starre,
locken mit zarten Aromen noch zaghafte Hummeln und Bienen.
Tanzend und schwirrend entfalten sie zierliche, schimmernde Flügel,
kosten manch schmackhaften Tropfen aus lieblichsten, leuchtenden Kelchen.
Bächlein erwachen und springen vergnügt, schon befreit aus des Eises
engender Klammer, mit glitzernden Krönchen durch sprießende Auen.
Große und kleinere Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr fröhlich und tolldreist, voll Übermut schnappend, entgegen.
Trällernde Ammern, der Jubel der winzigsten Sänger, versüßen
Stunden der nächtlichen Kühle, erwärmen die lauschenden Herzen.
Reisende kehren bedächtig zurück. Ihre rauschenden Schwingen
künden den Frühling an. Schwälbchen vollführen die mutigsten Flüge,
locken mit zartem Gezwitscher und wildem Geschrei ihre Liebsten.
Frühling, Du bist es, erwecke die Sinne und sei mir willkommen!
Hallo Medusa!
Ja, das sieht doch gut aus :) Wenn man jeden einzelnen Vers betrachtet, gibt es vom metrum her eigentlich nichts mehr zu meckern. Allerdings hast du jetzt durchgehend Daktylen, wodurch der Text als Gesamtheit doch etwas eintönig wirkt. Kannst du nicht noch hier und da eine unbetonte Silbe rausnehmen? Da brauchst du ja noch nicht mal etwas umschreiben, siehe etwa den Anfang:
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne,
flirrend erglänzen des Morgens die Schatten im Wald und in Fluren.
Blaugoldne Schimmer erhellen noch abends die dunkelnden Wiesen,
zärtliche Düfte umkosen und küssen die knospenden Felder,
zaubern das erste Ergrünen des neuen, schon keimenden Lebens.
Ansonsten könnte man natürlich inhaltlich noch etwas grübeln - "erglänzende Schatten" etwa sind mit doch arg ungewohnt ;)
Ferdigruß!
Lieber Ferdi :).
Nicht nur die "erglänzenden Schatten" sind arg. Ganz viele meiner "romantischen" Wendungen sind einzig der Metrik geschuldet und stimmen mit meinen Empfindungen gar nicht überein; darum wirken sie ulkig :D. Aber ich winde mich gerne auch mal um die eigene Achse ...
Deinen Vorschlag, durch Kürzungen den Schmalz etwas zu mildern, übernehme ich sehr gerne. Nicht mehr heute, morgen ist auch noch ein Tag ...
Gute Nacht und herzlichen Dank für Deinen schnellen Kommentar,
Medusa.
Guten Morgen zusammen :).
Ein wenig habe ich "gefeilt" und rot markiert, für die Endfassung wirds natürlich "ausradiert". Jetzt klingts flüssiger, danke Ferdi für den Tipp :). Einige Stellen lassen sich nicht ändern, es käme zum Hebungsprall.
Völlig daneben ist die Wiederholung von locken (das ist mir grad eben aufgefallen!), eine Alternative hab ich nicht; es scheint, als sei ich an meine sprachlichen Grenzen gestoßen :mad:.
Ich hab auch versucht, das "Schmalzige" in den Griff zu bekommen - es gelingt mir nicht - ich hab mich wohl verheddert :eek:.
Herzliche Grüße,
Medusa.
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne,
flirrend erglänzen (des)morgens die Schatten im Wald und in Fluren,
blaugoldne Schimmer erhellen am Abend die dunkelnden Wiesen.
Zärtliche Düfte umkosen und küssen die knospenden Felder,
zaubern das erste ErGrünen des neuen, schon keimenden Lebens.
Samtene Lüfte befächeln und locken die zartesten Blüten.
Krokus und Glöckchen erwachen aus tiefer,und eisiger Starre
Locken mit zarten Aromen noch zaghafte Hummeln und Bienen,
tanzend und schwirrend entfalten sie zierliche, schimmernde Flügel,
kosten manch schmackhaften Tropfen aus lieblichsten, leuchtenden Kelchen.
Bächlein erwachen und springen vergnügt, schon befreit aus des Eises
engender Klammer mit glitzernden Krönchen durch sprießende Auen.
Große und kleinere Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr fröhlich und tolldreist, voll Übermut schnappend, entgegen.
Trällernde Ammern, der Jubel der winzigsten Sänger versüßen
Stunden der nächtlichen Kühle, erwärmen die lauschenden Herzen.
Reisende kehren bedächtig zurück. Ihre rauschenden Schwingen
künden den Frühling an. Schwälbchen vollführen die mutigsten Flüge,
locken mit zartem Gezwitschern und wildem Geschrei ihre Liebsten.
Frühling, Du bist es (Ja, du bists ?????:D) , erwecke die Sinne und sei mir willkommen!
Hallo zusammen :).
Ich hab mal versucht, die "locken"-Wiederholungen auszumerzen. Dem triefenden Inhalt widme ich mich später; gute Ideen habe ich noch nicht :o.
Viele liebe Abendgrüße,
Medusa.
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne,
flirrend glänzen morgens die Schatten im Wald und in Fluren,
blaue Schimmer erhellen am Abend die dunkelnden Wiesen.
Zärtliche Düfte kosen und wehen durch knospenden Felder,
zaubern das erste Grün des neuen, schon keimenden Lebens.
Samtene Lüfte wehen und fächeln zarteste Blüten. Mist! Wieder doppelt!
Krokus und Glöckchen erwachen aus tiefer, eisiger Starre.
bannen mit zarten Aromen zaghafte Hummeln und Bienen,
tanzend und schwirrend entfalten sie zierliche, schimmernde Flügel,
kosten manch schmackhaften Tropfen aus lieblichsten, leuchtenden Kelchen.
Bächlein erwachen und springen vergnügt, befreit aus des Eises
engender Klammer mit glitzernden Krönchen durch sprießende Auen.
Große und kleine Fische erfreuen sich wärmender Sonne,
schnellen ihr fröhlich und tolldreist, voll Übermut schnappend, entgegen.
Trällernde Ammern, der Jubel der winzigsten Sänger versüßen
Stunden der nächtlichen Kühle, wärmen die lauschenden Herzen.
Reisende kehren bedächtig zurück. Ihre rauschenden Schwingen
künden den Frühling an. Schwälbchen vollführen die mutigsten Flüge,
rufen mit zartem Zwitschern und lautem Geschrei ihre Liebsten.
Frühling, Du bist es, erwecke die Sinne und sei mir willkommen!
Klatschmohn
08.04.2010, 07:17
Liebe Medusa,
einen wunderbaren belebten Frühlingsmorgen hast Du da geschrieben und sicherlich ist er auch korrekt. Beim lauten Lesen habe ich mich aber an der 2. Zeile ein bisschen gestoßen und habe beim Zurückblättern entdeckt, dass Du es schon andres geplant hattest. Da schriebst Du erglänzen, statt glänzen, das las sich für mich eleganter.
Liebe Frühlingsgrüße,
Klatschmohn
Guten Morgen Klatschmohn,
wie schön, dass Du vorbei schaust :).
Ich habe rigoros dort, wo es möglich war, die Daktylen ausgemerzt, um, wie Ferdi sagte, die Eintönigkeit etwas zu beleben. Insgesamt klingt es jetzt besser als vorher.
Ich habe vor, ein paar Verse umzustellen, um den Inhalt weniger "schmalzig" zu gestalten; vielleicht erreiche ich dadurch eine bessere Lesbarkeit in V2.
Bevor ich mich an die Arbeit mache, warte ich auf Rückmeldungen unserer Experten :).
Vielen lieben Dank für Dein Interesse und den Hinweis.
Herzliche Grüße,
Medusa.
Hallo Medusa, hallo Klatschmohn,
ich denke mal, in Bezug auf das Ohr ist jeder ein Experte, und hier würde ich mich Klatschmohn anschließen: In V2 solltest du nur eine Silbe rausnehmen, nicht zwei, da sonst die erste Vershälfte komplett trochäisch aufgebaut ist: flirrend / glänzen / morgens. Da geht der daktylische Grundcharakter der Verses verloren!? So als Daumenregel gilt wohl, dass die Hexameter, die mit zwei Trochäen einsetzen, nicht sehr häufig sind (das variiert natürlich von Autor zu Autor), und der zweite Versfuß der ist, der nach dem fünften prozentual gesehen am häufigsten mit einem Daktylus besetzt ist. Das im Ohr habe ich flirrend glänzen des Morgens angeregt, Klatschmohn fände flirrend erglänzen morgens besser; Ich glaube, beides wäre sinnvoll :)
Ansonsten verhältst du dich, Medusa, inzwischen schon wie eine erfahrene Hexametristin: Du nutzt jede Möglichkeit, die das Deutsche anbietet, umDaktylen zu erzeugen :) Zum Beispiel durch das Bilden von Partizipien, nur: ich glaube, hier hast du's etwas übertrieben ;) In V3-V5 etwa hast du drei gleichgebaute Ausdrücke am Versende: dunkelnden Wiesen, knospenden Felder, keimenden Lebens. Das wirkt etwas eintönig?! Später reimt's sich dann sogar: lauschenden Herzen, rauschenden Schwingen :D Na ja, worauf ich hinaus will: Da solltest du vielleicht noch mal tätig werden :) Formal sind die Verse korrekte Hexameter, denke ich?! Nur einmal fehlt die Zäsur:
Stunden der nächtlichen Kühle, wärmen die lauschenden Herzen.
Aber die Verse werden sich ja ohnehin noch etwas ändern, wenn du jetzt inhaltlich arbeitest, nehme ich an :) Da hätte ich auch noch einen Vorschlag - möchtest du nicht versuchen, etwas weniger "Reihung" drin zu haben, sprich, teilweise die Ausdrücke, die mit ähnlichen Worten dasselbe sagen, so umzuwandeln, dass sie etwas bildlicher, tiefer werden?! Ein Beispiel wäre lieblichsten, leuchtenden Kelchen - da scheint mir, dass z.B. weithin leuchtenden Kelchen eine stärkere Wirkung hätte ("lieblich" ist sehr blass / abstrakt, und nebenbei beruhigt "weithin" auch diesen Vers durch einen Trochäus etwas ;)).
Ferdigruß!
Guten Morgen Ferdi :)
Danke, Danke, Danke - diesen "Tritt" brauchte ich jetzt, er beflüüüüügelt ungemein :D.
Ich geh gleich ran!
Tschühüß :),
Medusa.
Hallo zusammen :)
Der Schmalz ist fast weg! Aber jetzt klingt es für mich wieder nach einer Reportage. Diesmal für ein Umweltmagazin :D.
Schaut selbst.
Herzliche Grüße,
Medusa.
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne.
Flirrend steigen des Morgens neblige Schleier aus Fluren,
Wäldern und Auen, zartblaue Schimmer bedecken am Abend
dunkelnde Wiesen. Umfächelt von samtenen Lüften erwachen
Krokus und Glöckchen aus tiefem Schlaf und eisiger Starre.
Zarte Düfte betören noch zaghafte Hummeln und Bienen.
Tanzend entfalten sie schimmernde Flügel und kosten die ersten
schmackhaften Tropfen des süßen Nektars aus leuchtenden Kelchen.
Bäche erwachen und springen vergnügt, befreit aus des Eises
engender Klammer, mit glitzernden Krönchen durch sprießende Auen.
Fische begrüßen die wärmende Sonne mit tolldreisten Sprüngen,
schnellen mit glänzenden Schuppen ihr fröhlich schnappend entgegen.
Trällernde Ammern, der Jubel aus winzigen Kehlen, versüßen
Stunden der nächtlichen Kühle, wärmen die lauschenden Herzen.
Reisende Vögel kehren zurück aus südlichen Landen,
künden mit rauschenden Schwingen und grüßendem Klappern
endlich die schönste Zeit des Jahres an. Kundige Schwalben,
lang schon erwartet, suchen mit kunstvollen Flügen, mal zwitschernd
oftmals pfeifend, die Partner und Nester vergangener Jahre.
Frühling, Du bists! Wecke die Sinne und sei mir willkommen!
Hallo Medusa!
Soso, eine Reportage - da hast du ja ein sehr vielgesichtiges Gedicht geschrieben ;) Ganz kurz zur Form - zweimal würde ich mir eine schönere Zäsur wünschen:
Flirrend steigen des Morgens neblige Schleier aus Fluren,
Stunden der nächtlichen Kühle, wärmen die lauschenden Herzen.
Bei einem Vers bin ich mir unsicher:
Wäldern und Auen, zartblaue Schimmer bedecken am Abend
Ansonsten zum Tonfall: Du ergänzt deine Substantive nahezu ausnahmslos durch vorgestellte Adjektive, das wirkt auf Dauer etwas trocken... Besonders auffällig wird das, wenn drei solcher Paare in einer Zeile stehen, z.B.:
engender Klammer, mit glitzernden Krönchen durch sprießende Auen.
Auf einer etwas höheren Ebene hat dieser Vers dadurch auch ein rhythmisches Problem, weil die Gruppe (x) X x x / X x (durch sprießende Auen), die ja das Versende eindeutig markieren soll, durch ein davorstehendes und gleichklingendes (x) X x x / X x (mit glitzernden Krönchen) entwertet wird. Von daher könnte ich mir vorstellen, dass andere Formulierungen hier eine gute Wirkung hätten, z.B.:
engender Klammer, mit Glitzerkronen durch sprießende Auen.
engender Klammer, mit Glitzern gekrönt durch sprießende Auen.
... oder was immer dir einfällt ;) Ein ähnlicher Fall ist
schmackhaften Tropfen des süßen Nektars aus leuchtenden Kelchen.
Ferdigruß!
Lieber Ferdi,
wie Du weißt gebe ich mir jede Mühe, versuche schon seit Wochen unermüdlich, den Hexameter zu knacken. Längst schon hätte ich hörbare Fortschritte machen müssen. Diese Überarbeitung ist auch wieder in die Hose gegangen. Denn je mehr ich daran arbeite, desto weniger klingt es nach Hexameter. Ich weiß ganz genau, wie er klingen muss und schaffe es nicht, ihn in Worte zu fassen. Ich kann kürzen, ich kann verlängern, Verse umstellen, Adjektive ausmerzen, Inversionen einfügen und Hebungen zählen; ich befürchte, es wird mir nicht gelingen, sowohl Deinen als auch meinen Ansprüchen gerecht zu werden.
Heute ist mir nach Aufgabe zumute. Ich glaube beinahe, ich bin für solch anspruchsvolle Versformen nicht geeignet.
Herzliche Wochenendgrüße,
Medusa.
Lockend und wärmend erfreuen die goldenen Strahlen der Sonne.
Flirrend steigen des Morgens neblige Schleier aus Fluren,
Wäldern und Wiesen. Umfächelt von samtenen Lüften erwachen
Krokus und Glöckchen aus eisiger Starre und düsterem Ruhen.
Liebliche Düfte betören noch taumelnde Hummeln und Bienen.
Tanzend entfalten sie schimmernde Flügel und kosten die ersten
Tropfen aus zartesten Blumen und Blüten. Bächlein, sie springen,
frei nach des Eises engender Klammer, durch sprießende Auen,
Fische schnellen der Sonne mit glänzenden Schuppen entgegen.
Trällernde Ammern, der Jubel aus zahllosen Kehlen, versüßen
nächtliche Kühle und wärmen die lauschenden Herzen.
Ziehende Vögel kehren zurück aus südlichen Landen,
melden mit rauschenden Schwingen, frohen Gesängen und leisem
Klappern die lang schon erwarteten, schönsten Tage des Jahres.
Frühling, ja, Du bists! Erwecke die Sinne und sei mir willkommen!
Klatschmohn
10.04.2010, 20:41
Liebe Medusa,
sei doch bitte mal zufrieden mit Dir und Deinem Werk. Mir gefällt es!
Liebe Grüße,
Klatschmohn
Hallo Medusa!
Eins sehe ich genauso wie du: Dass du nämlich viel mehr Probleme hast, als du eigentlich haben solltest. Dazu mache ich jetzt mal einfach eine ganz grundlegende Anmerkung :)
Der Hexameter ist seiner Natur nach ein epischer, ein erzählender Vers. Das habe ich schon öfter mal erwähnt, aber so ganz geglaubt hast du's mir bisher noch nicht ;)
Denn wenn man zum Beispiel deinen "Frühling" darauf anschaut, stellt man ja fest, dass du eben nicht erzählst, nicht episch, sondern lyrisch schreibst: Das geschehen ist weder örtlich noch zeitlich irgendwie verankert, es gibt keine Handlung im eigentlichen Sinne, und statt handelnder Personen nur ein abstraktes "Ich".
Und je nun: Wenn du versuchst, gleichzeitig ein Versmaß zu erlernen und ein gehaltvolles Frühlingsgedicht zu schreiben und das mit Mitteln zu tun, denen sich der Vers nicht ohne Widerstände anpasst - dann machst du dir einfach mehr Probleme, als du dir machen müsstest.
Von daher wäre mein Vorschlag: Lass den reinen Hexameter erstmal (erstmal!!) liegen und versuche wirklich, dich in ein gemischtes Versmaß einzuschreiben, sprich: einem, das abwechselnd einen Hexameter und einen anderen Vers deiner Wahl enthält. Da müsstest du mir jetzt einfach glauben, dass derlei einem eher lyrischen Zugang viel aufgeschlossener ist (das klassische Beispiel ist natürlich das elegische Distichon, aber es gibt viele andere Möglichkeiten. Ich könnte bei Interesse ein paar in den Materialienfaden stellen).
Ein zweiter Vorschlag: Betrachte die nächsten Hexameter-Texte wirklich als Übungen. Nicht als etwas, das am Ende ein gutes Gedicht sein muss. Mir scheint, da stehst du dir selbst etwas im Weg... Schreib den Text, schau, was hier im Forum an Anmerkungen kommt, denk darüber nach - und dann weiter zum nächsten Text!
Ein dritter Vorschlag wäre, mal einen ganz anderen Langvers auszuprobieren - in Klatschmohns Faden ergeben sich da ja gerade spannende Ansätze. Man könnte einfach mal einen Forums-Vers ersinnen?! Wär doch spannend :)
Als letztes noch ein Beispiel, wie man deinen Text "verepisieren" könnte: Ich habe einfach einen Handelnden eingeführt und das Ganze zeitlich (morgens) und örtlich (Haus, davor die Wiese, an deren Ende der Bach) konkretisiert. Merkst du, wie das ganze dadurch an Abstraktheit verliert und an Sichtbarkeit, an Wirklichkeit gewinnt? Das Lyrische nimmt ab, das Epische zu.
Seufzend schwang aus dem Bett der alte Matthias die Beine,
Setzte sich auf und rieb den letzten Schlaf aus den Augen,
Stutzte, und wunderte sich: denn dieser Morgen war anders.
Wärmer als sonst lag das Licht auf seinen ergrauenden Haaren,
Lockte ihn hin zum Fenster und hieß ihn, die Flügel zu öffnen.
Staunend stütze Matthias sich auf den Rahmen und beugte
Weit sich hinaus – da sah er, dass vor dem Haus, auf der Wiese,
Welche so lange schon grau und leblos den Blicken sich darbot,
Blau und golden und weiß die Krokusblüten sich hoben,
Weit entgegen den Bienen, den hellgeflügelten Tänzern,
Die an den ersten Tropfen des süßen Nektars sich labten.
Hinten, am Ende der Wiese, durchsprang das erwachende Bächlein
Glitzerkronengeschmückt, befreit von der Klammer des Eises,
....
Weiter noch lehnte Matthias sich aus dem Fenster, und winkte,
hieß mit fröhlichem Gruß den ersehnten Frühling willkommen.
Je nun, so weit erstmal :) Wenn du aber gerade am Hexameter die Lust verlierst, dann schieb ihn einfach ganz beiseite und komm zurück, wenn du es wieder "kribbeln" fühlst; wenn's Quälerei wird, macht es ja auch keinen Sinn! Du hast ja schon einen Großteil des WEges geschafft; der Rest klappt dann ganz sicher auch.
Ferdigruß :)
Klatschmohn
27.04.2010, 08:07
Boah, das ist toll. Ist das von Dir, Ferdi?
Wie kommt man dahin, es auch so zu schaffen?:confused:
Liebe Grüße,
Klatschmohn
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